Reizdarm

Reizdarm

Der irritierte Darm
Reizdarmsyndrom Eisberg

Reizdarmsyndrom

11 Millionen Deutsche leiden immer wieder unter Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Unter einem Reizdarmsyndrom (RDS), fachsprachlich auch Colon Irritabile genannt, versteht man einen Symptomenkomplex, der durch Störungen der Darmfunktion charakterisiert ist, die mit Stuhlunregelmäßigkeiten wie Verstopfung, Durchfall, Abgang von Schleim, Druckgefühlen im Bauch und krampfartigen Schmerzen einhergehen.

Darstellung des Darms
2,7 Jahre
bis zur Diagnose

Im Durchschnitt dauert es 2,7 Jahre bis bei einem Patienten RDS erkannt wird, denn einer endgültigen Diagnose gehen oft Jahre der Fehldiagnose und falscher Behandlung voraus.

Die Diagnose

In Deutschland werden die diagnostischen Standards von der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom festgelegt.

1. Es bestehen chronische, das heißt länger als drei Monate anhaltende Beschwerden (zum Beispiel Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Veränderungen des Stuhlgangs einhergehen.

2. Die Beschwerden sollen entweder der Grund dafür sein, dass der Patient Hilfe sucht oder sich Sorgen macht, oder sie sollen so stark sein, dass die Lebensqualität des Patienten hierdurch relevant beeinträchtigt wird.

3. Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.

Die Symptome

Da bei Reizdarm eine Störung der Darmfunktion vorliegt, verändert sich die Konsistenz des Stuhls. Betroffene leiden häufig an Durchfällen oder Verstopfung. Es treten auch Schmerzen oder Blähungen, ein Blähbauch und abgehende Winde auf. Häufig finden sich bei Reizdarm Schleimauflagerungen auf dem Stuhl. Die Symptome eines Reizdarms sind unspezifisch und können sich auch bei anderen Krankheiten zeigen. Bevor der Arzt die Diagnose Reizdarm stellen kann, müssen daher andere Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Toilettenpapier
Durchfall
Icon Verstopfung
Verstopfung
Icon Darmentleerung
Gefühl unvollständiger
Darmentleerung
Icon Bauchschmerzen
Bauchschmerzen
Icon Blähungen
Blähungen &
Blähbauch
Icon Lebensmittel
Lebensmittel-
allergien
Icon Unzufriedenes Gesicht
Vollgefühl
Gestörte Darmperistaltik
Gestörte Darmperistaltik Grafik

Ursachen

Gestörte Darmperistaltik:

Durch eine Mobilitätsstörung ist die natürlichen Darmbewegung gestört und die Verdauung läuft nicht optimal ab. Die Darmperestaltik wird durch ein eigenständiges Nervensystem in der Darmwand gesteuert (Bauchhirn). Dieses registriert das Eintreffen der Nahrung im Darm und diese dehnt sich dadurch. Serotonin sorgt dafür, dass die Darmmuskulatur erschlafft und sich anspannt, um den Nahrungsbrei voranzubringen. Bei Reizdarmpatienten ist diese Übertragung der Information gestört. Die Muskulatur zieht sich entweder zu schnell, zu langsam oder im falschen Moment zusammen oder die Muskeln können nicht mehr richtig entspannen. Bei einigen Betroffenen wird der Nahrungsbrei dann zu schnell befördert und im Dickdarm kann ihm dann nicht ausreichend viel Flüssigkeit entzogen werden. Dann kommt es zu Durchfall. Bei der Verstopfung ist die Muskulatur zu langsam.

Erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut:

Die Darmzellen in der Darmschleimhaut sind über kleine Brücken miteinander verbunden (tight-junctions). Die Verbindung ist so dicht, dass keine Krankheitserreger und Fremdstoffe hindurchgegangen können. Bei Reizdarmpatienten ist diese Barriere geschwächt und die Brücken bauen sich schneller ab und es entstehen Lücken. Dadurch sind die Zellen nicht mehr so stark miteinander verbunden und Krankheitserreger können in die Darmschleimhaut eindringen und eine Immunreaktion auslösen.

Durchlässigkeit Darmschleimhaut
Schutzschild
Schutzschild Immunität

Erhöhte Immunaktivität in der Darmschleimhaut:

In Gewebeproben von Reizdarmpatienten liegt eine verstärkte Immunaktivität vor. Das Immunsystem reagiert hier über und es kann zu Schmerzen und Durchfall kommen.

Gestörte Darmflora (Dysbiose)

Ist die Darmflora im Ungleichgewicht, d.h. es zeigt sich eine veränderte Zusammensetzung als im gesunden Zustand, spricht man von einer Dysbiose. Eine Dysbiose kann beispielsweise u.a. durch Medikamente, Magen-Darm-Erkrankungen oder chronischen Stress hervorgerufen werden. Die natürliche Zusammensetzung kommt außer Balance und „krankmachende“ Bakterien oder Pilze können den Darm schneller besiedeln (Fehlbesiedlung). Diese können sich bei einer entsprechenden Milieuänderung (pH-Wert sollte im Stuhl zwischen 5,8 und 6,5 sein) massiv vermehren und die Darmbakterien verdrängen, die wir brauchen um gesund zu bleiben. Sind die Dickdarm-Bakterien im Dünndarm und essen sich am Nahrungsbrei satt, dann produzieren sie Gase, die beim Patienten ein paar Stunden nach dem Essen Bauchschmerzen, Blähbauch und Völlegefühl verursachen. Durch den Stoffwechsel der Bakterien können Säuren entstehen, die die Darmwand angreifen und die Nährstoffaufnahme behindern.

Frau Dysbiose Grafik
Frau Dysbiose
Serotonin Molekül

Gestörter Serotoninhaushalt & Hypersensibilität

Serotonin ist ein hormonähnlicher Stoff, der im Darm und Nervensystem verschiedene Organfunktionen reguliert, aber auch für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich ist. Liegt z.B. eine Störung im Serotoninhaushalt vor, kann es vorkommen, dass Reizdarm-Patienten ihren Darm stärker wahrnehmen als üblich und Schmerzen empfinden (Hypersensibilität). Wird das Darmnervensystem bei einem Reizdarm aktiviert, kann dies nicht mehr angemessen regulieren, wieviele Botenstoffe ausgeschüttet werden.

Stress

Stress, Ängste, Depressionen und andere psychische Belastungen gelten bei Erkrankten oft als Verstärker oder auch Auslöser des Reizdarms. Stress kann zu Veränderungen im Darmtrakt führen und die Produktion von Magensaft und Darmbewegungen nehmen zu.

Grafik Stress
Burger mit Cola

Ernährung

Eine zuckerhaltige, fettreiche Ernährung kann auch eine Ursache des Reizdarmsyndroms sein. Häufig kommt es beim Genuss von Kaffee, Alkohol, Milchprodukten, insbesondere Frischmilch, rohem Obst, Zitrusfrüchten, gebratenen sowie fettreichen Speisen zu Beschwerden. Oft rufen auch Fruchtzucker (Fructose) und Zuckeralkohol wie Sorbit Symptome hervor.

Therapiemöglichkeiten

Grafik Schülerinvor einem Diagramm

Schulmedizinische Therapie

Die Therapie ist symptomabhängig. 25,6% der Reizdarmpatienten bekommen Antidepressiva verschrieben. Diese werden bei Reizdarmsyndrom in geringeren Dosierungen als bei Depressionen eingesetzt. Sie eignen sich ebenso bei psychischen Problemen, die im Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom auftreten können. Weitere Mittel, die gerne verschrieben werden sind Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker), die allerdings bei Reizdarmpatienten zweifelhaft sind, so der Gesundheitsreport der Barmer in 2019. Von Ärzten werden vor allem die Symptome behandelt, z.B. um den Durchfall zu stoppen, die Verstopfung zu beseitigen oder die Schmerzen zu lindern. Die direkte Ursache geht die Schulmedizin eher seltener an.

Kulturen Komplex hilft bei der Ursache

Die Besiedelung des Darms mit „gesunden“ Bakterien stellt einen entscheidenden Faktor für die Therapie von Darmerkrankungen dar.

In Studien wurde festgestellt, dass die Symptome sich verbesserten, durch die Senkung des Schmerzempfindens der Nervenzellen. Dadurch kam es bis zu 52,5% Rückgang der Schmerzen. Die Darmwand wird besser gedehnt und die chemische Barrierefunktion in der Darmschleimhaut wird gestärkt. Dadurch, dass sie die Verdauungsprozesse erhöhen, kam es zu 40,7% weniger Blähungen. Die Immunantwort wird gesteigert mit entzündungshemmenden Botenstoffen.

Der Durchfall ist auch um 48,4% zurückgegangen. Eine Einnahme sollte in einer 12 Wochen Kur erfolgen.

Darm unter einer Lupe
Frau liegt auf einem Sofa

Hausmittel

Ballaststoffe, wie Flohsamenschalen können den Durchfall reduzieren, die Verdauung regulieren und Schmerzen reduzieren. Zudem legen sie sich wie eine schützende Schleimschicht auf den gereizten Darm.

Eine Wärmflasche auf dem Bauch beruhigt den Darm und lindert Krämpfe. Massagen mit Pfefferminz oder Kümmelöl fördern die Darmbewegungen.

Kräutertees wie z.B. Fenchelöle oder Kümmeltee tun der Verdauung gut.

Stressreduktion

Stress kann ein Reizdarmsyndrom auslösen und auch verstärken. Um Stress zu vermeiden, sollte man möglichst lernen, wie er aus Stresssituationen rauskommt und was ihm hilft zu entspannen. Regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Qi Gong, Autogenes Training, Muskelrelaxation oder Meditation könne hier sehr gut helfen.

Junge Frau treibt Sport

Sport

Beim Reizdarmsyndrom ist Sport sehr wichtig – nicht nur für den Körper, sondern auch für das Sozialverhalten, die Lebensqualität und die biologische Heilung. Es eignen sich hierbei vor allem kurze und intensive Belastungen, wie z. B. Kraftsport, HIIT, Leichtathletik. Sehr hohe Belastungen, wie Marathon, lange Fahrradtouren gilt als Stress für den Körper und der Darm kann hier wieder reagieren. Drehbewegungen beim Yoga bringe den Darm in Schwung und wirken dazu entspannend.

Ernährung

Bei Reizdarm Symptomen hat sich eine sogenannte Fodmap Diät bewährt. Die Abkürzung FODMAP steht für: Fermentable, Oligosachharides (z.B. Fruktane und Galaktane), Disaccharides (z.B. Laktose), Monosaccharides (z.B. Fruktose), And Polyols (z.B. Sorbit, Maltit, Xylit). Lebensmittel, die diese „FODMAPS“ enthalten, werden von Darmbakterien fermentiert – hierbei entstehen Gase, die wiederum Blähungen, Durchfall und Schmerzen verursachen können. Eine FODMAP-Diät sollte bis zur Besserung der Symptome eingehalten werden, maximal 6-8 Wochen. Dann sollten Lebensmittel mit einem spezifischen FODMAP wieder langsam eingeführt werden.

Frau mit Salatschüssel